Historie

Die Stadt war eine Altstadt, in der es im Winter nach Kohleofen roch und in der im Sommer der kühle Luftzug aus den Toreinfahrten der halbverfallen Mietshäuser den Geruch von kaltem Keller, muffigem Teppich und Zigarettenrauch mitbrachte. Im Herbst kroch der Nebel vom Fluss hoch in die Stadt und war so dicht, dass man Fackeln an den Straßenkreuzungen aufstellte, damit sich die Autofahrer orientieren konnten. Wer 1987 hier lebte, dem war schon als 17jährigem klar: Das Paradies ist verloren, der Mensch ist allein. Zukunft ist das Verlieren von Illusionen.

Das Gefühl der Melancholie hat seinen Weg gefunden – in einem lang anhaltenden Gitarrenton, in einem Ton der sowohl Schmerz aber auch Kraft ist. Hier findet sich alles wieder, tiefe Traurigkeit, unbestimmtes Jammern, kleine Freuden, Witz und Wärme.

Die Kohleöfen sind lange aus. Das Leben bekam einen neuen Glanz und wurde bequemer. Die Altbauten sind längst restauriert, hellgelb angestrichen, mit Plastikfenstern versehen. Viele leben jetzt vor der Stadt in neuen bunten Reihenhäusern. Nie mehr Kohle schleppen! Nie mehr schwelende Asche in stinkende Mülltonnen kippen! Ferne Orte lockten und waren plötzlich erreichbar. Der Westen, Europa, die Welt! Ist das Leben nicht schön geworden? Die Luft wurde sauberer, der Nebel war schon lang nicht mehr richtig dicht.

Doch manchmal sehnst Du Dich nach dem unbestimmbaren Lufthauch aus muffigem Keller, Kalk und altem Zigarettenrauch. Dann ist plötzlich alles wieder da.

Dann hast Du den Blues.